Ep.1 - Zur Welt kommen - Zur Sprache kommen

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00:00:15: Red Hot Chili.

00:00:18: Upp wird mit seinem Podcast, Warum Liebe wehtut und warum Dummheit wehttut weiter auf Sendung bleiben.

00:00:26: Mit einem zweiten Podcast erweitern heute Upp Dr.

00:00:32: Franz Josef Wittschotmund und Atrian den Gestaltungsrahmen um einen weiteren eigenen Themenschwerpunkt.

00:00:42: Wir nennen ihn zur Weltkommen, zur Sprache kommen.

00:00:46: Gemeinsam mit den Anregungen Peter Sloterdijk umreißen wir das Feld und erzählen was wir vorhaben.

00:01:06: Erschienen ist der dazugehörige Begleitband im Surgkampverlag Frankfurt, ist nicht die Enteignung des Selbstbewusstseins von seinem Beginn, nicht auch ein verräterisches Faktum das auf einen Fehlendeutet und so eloquent ist wie das Schweigen mit dem in manchen Familien die Existenz gewisser Verwandter umgeben wird.

00:01:58: setzt man sich dann insbesondere als Deutscher mit den Erblasten der jüngeren Geschichte und mit der Vielfach damit verbundenen Schweigespirale auseinander, liegt es nahe im Sinne einer radikalen Autobiografik folgenden Gedankengang Peter Sloterdijks auf sich wirken zu lassen.

00:02:20: Zitat Man ist hier immer auf eine seltsame Art ontologisch von schlechten Eltern.

00:02:27: Man hat Abgründe hinter sich, wo andere Stammbäume haben und fühlt sich als Flüchtlinge, wo Andere in alten Heimatrechten zu Hause zu sein scheinen.

00:02:39: Peter Sloterdijk mahnt daher man müsse schon sehr starke Gründe haben um das radikal-autobiografische Experiment des Neuanfangens am frühesten anfangen zu unternehmen.

00:02:55: Dies im Blick ist er der Auffassung, nur wenn eine Lebensform scheitere, wenn eine vergiftete Überlieferung sich selbst in einem Einzelbewusstsein Unerträglich werde, wenn ein Willeraufkommen aus einem Teufelskreis auszubrechen und sich von einer familiären und nationalen Zerstörungstradition loszureißen.

00:03:19: Nur dann werde das Parters des Anfangens zu einer wirklichen Passion.

00:03:26: Es wirkt ermunternd und furchteinflößend gleichermaßen, wenn Sloterdijk einerseits meint ob dies dann letztlich zu gültigen Erfolgen führe, sei eine Frage die man vorerst auf sich beruhen lassen solle.

00:03:43: Vielmehr genüge es hier – Zitat – auf das tatsächliche Vorkommen des Willens zum Neuanfang und des Glaubens daran, dass er möglich sei hinzudeuten.

00:03:57: Kehren wir an dieser Stelle mit Peters Lotharai zurück zu einem seiner Ausgangsmotive.

00:04:04: Zu Beginn bekennt er, er spiele gerne mit der Vorstellung, Zitat das jeder Mensch eine Silbe verkörpert.

00:04:13: Ein einmaliges unverwechselbares Gewächs aus Konsonanten und Vokalen.

00:04:19: Eine lebende Silbe unterwegs zum Wort, zum Text Denn jedes Leben sei auf seine Weise auf dem Sprung zur Sprache.

00:04:34: Es ist schon erfüllt von Klängen, von Wörtern, von Grundbildern und von Szenen mit denen es den Text seines alltäglichen Romans ausschreibt.

00:04:46: Vom ersten Atemzug an – ja!

00:04:49: Von den frühesten Stadien der intrauterine Nacht an ist jedes Leben schriftempfindlich wie eine Wachstafel und irritierbar wie der lichtempfindliche

00:05:01: Film.".

00:05:02: Im nervösen Material werden die unvergesslichen Charaktere der Individualität eingeritzt.

00:05:11: Begreift man sich in der Tat als eine Silbe, dann liegt es nahe so die Anregungslutterdikes, sich hinzuschreiben.

00:05:20: und für eine Silpe, die ihren Klang, ihre Niederschaft, ihre Materialisierung, ihre richtige Nachbarschaftensuche sei die Formulierung Sie setzt sich aus besonders am Platz.

00:05:36: Was wir das Individuum nennen, sei zunächst nur das lebende Pergament auf dem in Nervenschrift von Sekunde zu Sekunde die Chronik unserer Existenz aufgezeichnet werde.

00:05:51: Man könne so weitgehend zu sagen dass es die schwarz-auf-weiß gedruckten Bücher gebe bei individuellen existierten die ihr neurologisches Buchsein nach außen kehrten, es seien beschriebene Blätter, die eines Tages sich selber umbletterten und schreibende würden.

00:06:15: Mit meiner eigenen Poesie setze ich mich Zeit meines Lebens schon aus – und die Ritzungen füllen jene Bücher, Sie suchen und finden jene bereichernden und horizontal erweitenden Nachbarschaften, von denen Peter Sloterdijk spricht.

00:06:37: Von der Poesie und diesen Nachbarschachten wird dieser Podcast in seinen einzelnen Episoden handeln.

00:06:45: eigene Poesies teilen es in Liedform Und Erzählungen werden diesen Podcast prägen, ebenso wie die fürsorgliche und leidenschaftliche Pflege von Nachbarschaften.

00:06:59: Dies alles befruchtet und befeuert eine Sichtweise mit der Peters Loterdeig zu der wunderbaren Vorstellung gelangt, mit der er gedichte beispielsweise als Atemschiffchen begreift, Diese Fantasie spiegelt sich in einem Gedicht wieder, mit dem ich meinen ersten Lyrikband das Leben ein Klang eingeleitet habe.

00:07:28: So zieht nun die Welt greift auf wundersame Weise die Metapher des Atemschiffchens auf und soll den Start in diesen neuen Podcast

00:07:40: beflügeln.".

00:07:41: In seiner vertunten Form wird dies überdeutlich.

00:07:58: Ihr seid mir alle Zeit so nah.

00:08:07: Ich habe euch geboren Wie immer das geschah.

00:08:17: Nun seid ihr außer Erkoren, ich habe euch gebor-.

00:08:26: Nun seid er außer Erkurren.

00:08:31: Leuchtet wie die Sonne Glänzt in der Wörterwelt.

00:08:36: Seid leicht wie reine Wunde So licht wie ein Gedankenzelt.

00:08:58: Hab euch gezerrt, gebogen Hab euch gezerrt, Gebogen Hät die Zähne.

00:10:06: Sie ist ein heller Stern.

00:10:25: Neue Ziele finden Das der Menschen holt Und schießt ihr übers Ziel So übt euch in Geduld.

00:10:43: Wir spielen dann ein neues Spiel.

00:10:46: Genießt der Menschen Holten Und schiesst ihr übersziel So üb't euch in geduld.

00:11:17: Jedes See nähert alle dich und mich.

00:11:53: Rhetor Chiliup wird mit seinem Podcast Warum Liebe wehtut und warum Dummheit wehtu, weiter auf Sendung bleiben.

00:12:02: Mit diesem zweiten Podcast erweitern Jupp der Doc und Adrian sein alter Ego den Gestaltungsrahmen um einen weiteren eigenen Themenschwerpunkt.

00:12:14: Wir nennen ihn zur Welt kommen, zur Sprache kommen.

00:12:19: Gemeinsam mit Peters Lutterdijk umreißen wir das Feld und erzählen was wir vorhaben.

00:12:27: Kommen wir noch einmal zurück auf Peters Lutterdecks Warnung man müsse schon sehr starke Gründe haben um das radikal-autobiografische Experiment des Neuanfangens am frühesten anfangen zu unternehmen.

00:12:41: Diesen Blick ist er ja der Auffassung, nur wenn eine Lebensform scheitere.

00:12:47: Wenn eine vergiftete Überlieferung sich selbst in einem Einzelbewusstsein unerträglich werde, wenn ein Willeaufkommen aus seinem Teufelskreis auszubrechen und sich von einer familiären und nationalen Zerstörungstradition loszureißen – Nur dann werde das Patas des Anfangens zu einer wirklichen

00:13:08: Passion.".

00:13:10: Dann ist es letztlich aber auch durchaus möglich, dass eine solche Passion sowohl starke Momente der Selbstgefährdung als auch einer Gefährdungen des sozialen Nahraums mit sich bringen.

00:13:24: So waren wir als Familie beieinander und sind zusammengerückt – als das Leben meines Bruders am einundzwanzigsten Juni nineteenhundert vierneinzig in Folge eines Flugzeugabsturzes abrupt

00:13:38: endete.".

00:13:39: oder als das Leben eines Neffen um Haaresbreite drohte, gleichermaßen abrupt zu enden.

00:13:49: Gleichwohl war nicht zu verhindern dass die Atomisierung eines sozialen Mikrokosmos unausweichlich war.

00:13:58: Im Rückblick können wir ansatzweise sehen was diese Atomierung zur Folge hatte.

00:14:03: Es ist weitergegangen.

00:14:05: es geht weiter Nicht immer so, wie wir es uns vorstellen und wie wir das gerne hätten.

00:14:12: Mit Blick auf Atomisierung markiert der Tod meines Bruders eine radikale Zäsur.

00:14:19: In der großen Familie, die ich angehöre gibt es, wie angedeutet solche Zäsuren und Geschehnisse, die Normalität außer Kraft setzen nicht wenige.

00:14:32: Auch für mich persönlich ging es nach, um im Zuge einer tiefgreifenden persönlichen Krise darum wieder Boden unter die Füße zu bekommen konzentriert in der Sehnsucht erneut zur Welt zu kommen indem ich Sprache als Identitätsvergewissener Raum zurückgewinnen wollte.

00:14:56: Die verheerenste Konsequenz aus Normalitätszertrümmerung und zwar im Wortsinn liegt in den Verwüstungen, die mit Sprachlosigkeit einhergehen.

00:15:08: In Sprachverlust und Sprach-Losigkeit äußert sich Vulnerabilität in ihrer zerstörerischsten und vielleicht auch dramatischsten Form.

00:15:19: Es mag einer maßlosen Überhebung gleichkommen, wenn ich in der Folge aus der Ansprache Paul Zelans anlässlich der Entgegennahme des Literaturpreises der Freien Hansestadt Bremen, In dieser Passage setzt sich Paul Zellan mit dem Rückgewinn der gleichermaßen riskanten wie sehnsuchsvollen Eindeichung von Sinninseln auseinander.

00:15:53: Paul Zellen ringt um Sprache, angesichts des größten Menschheitsverbrechens erschieht selbst neunzehntundertsiebzig eben erst fünfzig Jahre alt vermutlich durch Suizid aus dem Leben.

00:16:08: Aus seiner Dankesrede, in der Mitte der Verluste blieb dies eine.

00:16:24: Sie die Sprache bliebe unverloren ja trotz allem.

00:16:30: Aber sie musste nun hindurchgehen durch ihre eigenen Antwortlosigkeiten, hindurchgehend durch furchtbares Verstummen.

00:16:39: Hindurchgehende durch die tausend Finsternisse totbringender Rede.

00:16:44: Sie ging hindurch und gab keine Worte her für das was geschah aber sie ging durch dieses Geschehen, ging hindurisch und durfte wieder zutage treten angereichert von all dem.

00:17:01: In dieser Sprache habe ich in jenen Jahren und in den Jahren nachher Gedichte zu schreiben versucht, um zu sprechen, um mich zu orientieren, um zur Erkunden wo ich mich befand und wohin es mit mir wollte – um mir Wirklichkeit zu entwerfen!

00:17:20: Es war sie sehen es, Ereignis Bewegung unterwegs sein, Richtung zu gewinnen.

00:17:29: Und wenn ich es nach seinem Sinn befragte, so glaube ich mir sagen zu müssen, dass in dieser Frage auch die Frage nach dem Urzeigersinn

00:17:40: mitspricht.".

00:17:42: Denn das Gedicht ist nicht zeitlos!

00:17:45: Gewiss Es erhebt einen Unendlichkeitsanspruch, es sucht durch Zeit hindurchzugreifen Durch sie hindurch, nicht über sie hinweg.

00:17:56: Das Gedicht kann – da ist ja eine Erscheinungsform der Sprache und damit seinem Wesen nach Dialogisch-ist einer Flaschenpost sein.

00:18:07: aufgegeben in dem gewiss nicht immer hoffnungsstarken Glauben Sie könnte irgendwo und irgendwann an Land gespült werden An Herzland vielleicht.

00:18:19: Gedichte sind auch in dieser Weise unterwegs.

00:18:25: Sie halten auf etwas

00:18:26: zu.".

00:18:41: Paul Celan, ich würde sagen inklusive CD hat der Surgkampfverlag in dem Jahr einiges aufgelegt.

00:18:52: Die erste Episode des neuen Podcast zur Welt kommen.

00:18:56: zu Sprache kommen lasse ich mit einem wiederum vertonten Text eines meiner Gedichte ausklingen.

00:19:04: es ringt wie Paul Celán andeutet gewiss um Spracher Allerdings im Vergleich zu den Finsternissen, denen Paul Celan sich ausgesetzt sah.

00:19:17: Im Rahmen einer so ungleich privilegierteren Normalbiografie Das Leben ein Klang Und mittendrin mein Lied Still und kein Gesang Rhythmisch und pulsierender Manchmal fließend, kurz im Takt aufwunder'n Und manchmal zögernd ohne Drang.

00:20:32: Ein Klang ganz dumpf Entweder all die Höhen tiefen Kaum zu liegen starisch stumpf Sein Schneemotort und Leise Gebiert.

00:21:02: sie dann den Text Dem das Leben tönt in vielen Farben jubiliert Und vor dem Abgrund der deinen Stufen glaubt sich heiter Raum für Raum erlaubt die Schöne und Gnade.

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